Digitale Ablenkung, der gewohnte Wahnsinn

Sicherlich hast Du schon über „Digital Detox“ gelesen. Wenn Produktivität für Dich wichtig ist, kommst Du nicht drumherum. Hier sind Carl Newport, Ramit Sethi und James Clear meine Best Friends.

Wenn es Dir aber auch wichtig ist, mehr bei Dir zu sein (darum liest Du ja auf meinen Seiten), dann findest Du hier weitere gute Gründe … .

 

In diesem Post wirst Du erfahren

✨ was scheinbar normal ist, ist kostspielig
✨ warum Du mit Deiner Aufmerksamkeit vorsichtig sein solltest
✨ was passiert, wenn Du Deine Meditations-Absicht in diesem Blickwinkel betrachtest
✨ wie Du Deine Umsetzung erleichterst
✨ was Du sofort umsetzen kannst
✨ meine Favorits

 

✨ was völlig normal ist, ist kostspielig

Im Alltag gibt es jede Menge Ablenkung. Das ist normal. Wenn Du keinen Fokus hast, verliert sich Deine Aufmerksamkeit im Trivialen. Du weißt, dass Du abdriftest, wenn die Arbeit am Computer ermüdend ist. Du fängst an, Deine Nachrichten zu checken, die News zu überfliegen, Du bleibst an lustigen, grotesken, oder anders erregenden Informationen hängen. Und am Ende einer News-Seite klickst Du neugierig auf eine Folgeartikel („Sex zu Dritt? – Hm, lass mal sehen, was die schreiben …“)

Sobald Du mit digitalen Medien zu tun hast, ist das Ablenkungspotential groß. Alles ist so arrangiert, dass Du Dich möglich lange damit beschäftigst.

Wie ist es mit Dir? Weißt Du, wie viel Zeit Du durchschnittlich in einer Woche mit „Rumdatteln“ verbringst?

Ups, eine halbe Stunde später.

Zeit weg, Bericht nicht fertig.

Mist.

Zeitdruck.

So kann ich nicht arbeiten … .

✨ warum Du mit Deiner Aufmerksamkeit sorgsam sein solltest

Aufmerksamkeit ist ein begrenztes Gut. Ein richtiges Guthaben. Jeden morgen hast Du Dein volles Budget zur Verfügung. Wenn Du nicht aufpasst, hast Du mittags Dein Guthaben verspielt und das konzentrierte Arbeiten ist ermüdend. Es passiert unbemerkt. Digitale Gewohnheiten, die sich unbewusst einschleichen, lassen Dich Dein tägliches Zeitbudget von 24 Stunden leicht verspielen. Die Informationsflut in den digitalen Medien ist überwältigend. Die Newsfeeds sind extra endlos: Stichwort „Infinite Scroll“ und „Pull-to-Refresh“ um Dich endlos zu unterhalten. Die Jagd nach (winzig kleinen) Informationskicks, lässt Deinen Finger über das Display wischen. Ständig erscheinen neue Eindrücke in Deiner Wahrnehmung. Es ist ein bisschen wie unter Drogen sein. Aber es laugt Dich einfach aus. Facebook-Mitgründer Sean Parker gibt zu, dass mit FB ein suchterzeugendes Produkt vermarktet wird.

 

Ist Erschöpfung, Überbelastung und zu viel Stress ein Thema für Dich? Ist es zum Teil auf Deinen Medienkonsum zurückzuführen? Falls ja, bist Du da nicht allein.

 

✨ was passiert, wenn Du Deine Meditations-Absicht in diesem Blickwinkel betrachtest

Nüchtern betrachtet: Wenn Du Dein Zeit-Budget verspielst, bleibt keine Zeit für Meditieren übrig. Würdest Du FB und Co von Deiner Liste streichen, hättest Du sicherlich viel Zeit fürs Meditieren. Über die Fakten müssen wir nicht diskutieren.

Aber hör mal, Silke, das ist ja wohl mega unrealistisch?
Stimmt, das ist null befriedigend und mega provokant, stimmt’s?
Klassisches Schwarz-weiß-Denken setzt hier vermutlich ein und lässt Dich aus dem Gedankenexperiment fallen.

Aber halt.

Lass Dich mal sanfter auf die Umstände blicken.

Es gibt auch einen smarten Ansatz von Digital Detox, um Dir den Weg zum Meditieren zu vereinfachen.

 

✨ wie Du Deine Umsetzung erleichterst

Es ist leicht für mich, Dir eine Liste von „10 How to dos“ vor den Latz zu knallen.

Kommt das an?

Es führt vermutlich zu einem „Ja, okay. Könnte ich mal machen.“

Was passiert?

Nichts.

Gar nichts.

Es geht weiter im üblichen Trott.

Es bringt Dir nichts, auf radikalen Entzug zu setzen. Auch bringt es Dir nichts, die Digitalisierung zu dämonisieren oder als toxisch einzustufen. Ich bin ein echter digitaler Freak. Ich liebe die Möglichkeiten. Ich könnte sonst gar nicht mit Dir mein Wissen und meine Erfahrung teilen.

Meine Empfehlungen brauchen den Abgleich mit Deiner Erfahrung, ein Auflösen und Eindringen in Deine Umstände. Dein Leben ist sicherlich komplex und Du lässt Dich nicht mit 10 nackten Stichpunkten beeindrucken. Die Digitalisierung gehört zu Deiner Realität. Es kommt auf die Menge an, auf die Qualität und die selbstbestimmte Handhabe der Inputaufnahme. Die Süddeutsche beschreibt die totale Abschottung als gefährliche Behaglichkeit. Sie weist auf das Dilemma von zu viel und zu wenig Anteilnahme am Weltgeschehen hin.

Ich ermuntere Dich hier, Deinen Umgang mit den Medien bewusst anzuschauen. Ich lade Dich ein, clevere Strategien zu entwickeln, die zu Deinem individuellen Lifestyle passen. Dein Leben darf da einfacher werden, wo es unnötig stressig und zerstreut ist. Achtsamkeit fängt nicht erst auf dem Meditationskissen an.

Mach’ mehr von dem, was Dir guttut.
Und mach’ weniger von dem, was Dir schadet.

Da digitale Medien Dich in Deinem privaten und intimsten Raum erwischen, musst Du proaktiv für Dich sorgen. Du musst Grenzen setzen, solange es keine gesellschaftliche Norm gibt: z. B. ich schalte das Handy von 21 bis 7 Uhr in den Flugmodus. Das entspricht nicht dem Mainstream. Ich kann nicht erwarten, dass andere meine Definition von Nachtruhe respektieren. Ich entscheide selbst, wann Schluss ist.

Bleib bei Dir. Schau, was für Dich eine Herausforderung (bei aller Gewohnheit) ist, und bleib gleichzeitig realistisch. Fang klein an. So, dass Du Dein Einsatz fast belächelst. Dann steigere Dich langsam.

 

✨ was Du sofort umsetzen kannst

Vorab, Du kannst kurzzeitig Apps in der Testphase verwenden, die Dir beim Bewusst-werden helfen. Aber Vorsicht, das ist eine Krücke: Stichwort „Digital Wellbeing“, … gehts noch? Apps, die Dein Wellbeing unterstützen? Auweia. Hersteller wollen, dass Du möglichst lange an den digital devices klebst. Punkt. Die News dazu auf heise.de und t3n.de sind amüsant.

Und ja es ist hilfreich, z. B. Bildschirmzeiten zu messen oder Deine körperlichen Aktivitäten darzustellen. Es braucht die Phase, in der Du klare Fakten bekommst, bevor Du Dich der unbequemen Wahrheit hingibst. Aber mach’ Dich nicht abhängig. Apps sind für diese Testphase gut, dann lass sie wieder gehen.

Fang an und experimentiere, das ist wahres Heldentum. Weil Du gegen den Strom der Masse schwimmst. Du wirst bestimmt angemacht und skeptisch beobachtet. Das will ich Dir nicht verschweigen. Aber die Freiheit, zu entscheiden, entlockt mir ein Grinsen auf der Backe.

✨ meine Favorits

Räum’ Deinen Blick frei
Sortiere Deine Apps auf Deinem Handy so, dass Du möglichst wenige auf dem Startbildschirm hast. Aus den Augen aus dem Sinn, funktioniert wirklich. Genauso räum’ Deinen Desktop auf, schmeiß’ altes verkrustetes Zeug runter. Prinzip Umzugskarton: Steck das Zeug in einen Unterordner „Ausmisten?“ wenn Du den Inhalt ewig (definiere einen festen Zeitrahmen) nicht gebraucht hast, kannst Du es in den Mülleimer kippen. Tolles Beispiel im Artikel über Eduard Andrae, CEO von Trusted-Blogs.com auf basicthinking.de.

Mach’ es Dir schwer
Sorge für weniger Ablenkung vom realen Leben, indem Du die Apps für Facebook und Co vom Handy herunterschmeißt. Lösche die verführerischen „shortcuts“, wie Lesezeichen oder offenen Tabs auf Deinem Desktop, die Dir den Zugang normalerweise erleichtern.

Alles fliegt raus
Lösche alte Nachrichten-Chats vom Handy, indem Du jedes Mal, wenn Du in WhatsApp o. ä. bist, eine Konversation von ganz unten löschst. Mal ehrlich, was bringen Dir die 80 alten Chats vom letzten Jahr? Willst Du ein Freundin endlich wieder sehen? Schreib ihr heute eine Nachricht. Das ist gerade nicht dran? Dann löschen. Lass nur Deine Liebsten und besten Kontakte dauerhaft in der Übersicht. Alles andere fliegt raus. Bamm.

Schluss mit Mäuschen pieps ein Mal
Deaktiviere unter Einstellungen die Push- und Banner-Benachrichtigungen. Das Gepiepse und Vibrieren zieht Dich aus deinem eigentlichen Vorgang. Sind wir mal ehrlich, was davon ist lebensrettende Information, die Dich wirklich erreichen sollte? Nada, nichts, Zero.

Lege Zeiten fest
Vereinbare mit Dir Handy-freie Zeiten, schaue erst nach 2 Stunden (oder wo liegt Deine Herausforderungs-Zone?) wieder drauf. Einfach mal liegen lassen. Lege dazu Dein Handy an einen festen Ort, anstatt es in der Hosentasche herumzutragen. Ich meine es ernst: Leg das Ding aus Deinem Blickfeld. „Aus den Augen aus dem Sinn“ funktioniert hier genauso prima.

Zieh’ einen Strich drum
Erkläre Schlafzimmer und Essenstisch zur Handy- (und Fernseh-) freien Zone.
Ich selbst habe seit 16 Jahren keine Flimmerkiste mehr. Echt cool, weil ich Zeit am Abend mit meinen Liebsten habe.

Mach’ Schluss
Stelle Dein Handy über Nacht in den Flugzeugmodus. Stell Dir ggf. dafür einen Wecker, damit Du daran denkst, den Flugzeugmodus zu aktivieren. Zum Beispiel von 21 bis 7 Uhr (meine Regel). Du wirst sehen, dass es okay ist, wenn Du erst am nächsten Tag reagierst. Nach ein paar Anfangs-Irritationen, werden die Menschen in Deinem Umfeld kapieren, dass Du nach 21 Uhr nicht mehr zu haben bist.

Klar und freundlich
Feiertage, Weihnachten oder Urlaub vor der Tür? Schalte Deinen Email-Autoresponder ein. Formuliere klar und bestimmt: „Nachrichten werde vom 24.12. bis x.1. nicht gelesen und nicht beantwortet. Bitte ab x.01.2020 erneut senden“ Lass Deine Umgebung wissen, dass Du nicht erreichbar bist und wann Du wieder „online“ bist. Das entspannt Dich und andere.

Real Life
Komm mit Deinen Lieblingsmenschen wieder in lebendigeren Kontakt, indem Du sie per Telefon oder Facetime anrufst. Oder verabrede Dich zum Drink.

Before you go
Bleib weich und flexibel. Schau, welche Anregungen Du 1:1 umsetzen willst, und welche Du abwandeln willst. Schau gleichzeitig, dass Du Dich nicht bescheißt, sondern, dass es auf eine tatsächlich positive Veränderung herausläuft.

 

Und denk daran: walk your talk, sonst bringen die besten Absichten nichts.
Trau Dich, Du kannst es.

 

Have fun beim Experimentieren.

Das darfst Du Dir wert sein.